Causa Kota Ibushi: NJPW-Topstar geht öffentlich gegen seinen Arbeitgeber New Japan Pro Wrestling vor! Hintergründe, zeitlicher Ablauf und Konsequenzen

30.05.22, von Benjamin "Cruncher" Jung

Quelle: ゾーヒョー, Kota Ibushi Aug 2015, bearbeitet, CC BY-SA 4.0

In den letzten 2–3 Wochen gab es viele Neuigkeiten rund um NJPW-Star Kota Ibushi. Der 40-Jährige löste eine Welle mit einer Reihe von Tweets aus, die gegen seinen Arbeitgeber New Japan Pro Wrestling (NJPW) gerichtet sind. Dabei schreckte Ibushi nicht zurück, sämtliche Beziehungen mit NJPW und anderen Promotions zu beenden. In der Zeit haben viele Wrestling-Experten wie Dave Meltzer und Voices of Wrestling ihre Quellen ausgefragt und auch Fans haben die Social-Media Nachrichten und privaten Nachrichten von Ibushi mit dem jeweiligen Offiziellen auf Englisch übersetzt. In der folgenden News versuchen wir den zeitlichen Ablauf dieser Situation einzuordnen und die jeweiligen Hintergründe zu erklären.

Quellen: NJPW1972.com, Wrestling Observer Radio, Wrestling Observer Newsletter, Patreon.com/VoicesOfWrestling, Twitter.com/Golden_Kuma, Twitter.com/Ibushi_Kota, Twitter.com/KennyOmegamanX, Twitter.com/MichaelNakazawa

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Zeitlicher Ablauf

Um die Tweets von Ibushi zu erklären, muss man einige Jahre in die Vergangenheit gehen. Voices of Wrestling konnte dank ihrer Quellen herausfinden, gegen wen sich hauptsächlich Ibushi öffentlich stellte und seit wann diese Privatfehde läuft. Die jeweiligen Screenshots von Ibushi waren die privaten Nachrichten mit Yusuki Kikuchi. In den Jahren hatte Kikuchi diverse Positionen inne. So auch im Jahr 2018, der Startpunkt der „Fehde“ zwischen Kikuchi und Ibushi. Damals war der NJPW-Offizielle als Kopf der Merchandise-Abteilung tätig und verwaltete die Zahlungen für Merchandising-Verkäufen. Ibushi beschuldigte Kikuchi, dass er versprochene Tantiemen für Verkäufe von Merchandise ihm vorenthielt. Zu dieser Zeit bildete Ibushi mit Kenny Omega und den Young Bucks die Gruppe „Golden Elite“, angelehnt an „The Elite“ und „Golden Star“ – Ibushi’s Spitznamen. Kikuchi verteidigte sich und bezeichnete dies als „versehentliches Versäumnis“.

* 2019 endete der Vertrag von Kikuchi mit New Japan und er erhielt vom damaligen Präsidenten Harold Meij, der die Zusammenarbeit zwischen NJPW und AEW blockierte, keinen neuen Arbeitsvertrag. Laut den Quellen gab es zwei Argumente, weshalb man sich von Kikuchi trennte. Der erste Punkt war das falsche Verhalten mit Ibushi und Gerüchte von Affären, die seine Frau an NJPW weiterleitete. In Japan werden Ehevergehen als ein großes soziales Tabu angesehen und so verlor TAKA Michinoku seine gegründete Promotion KAIENTAI DOJO (K-DOJO) – nun als Active Advance Wrestling (2AW) bekannt – nachdem seine Affäre im Jahr 2019 öffentlich wurde. Kikuchi blieb New Japan indirekt treu, indem er als Writer und Wrestling-Producer bei NJPW’s Heimatsender TV ASAHI unterschrieb.

* Zu dieser Zeit veränderte sich vieles bei New Japan hinter den Kulissen. 2020 ging Tiger Hattori in den Ruhestand, der neben seiner Aufgabe als Referee auch dafür tätig war, Nicht-Japanische Wrestler zu verpflichten und „Head of Talent Relations“ zu sein. Diese Rollen übernahm der Puroresu-Veteran Dick Togo, der zugleich auch im Booking-Team von Gedo einen Platz ergattern konnte. Zu dieser Zeit gewann Togo mehr und mehr Einfluss und so setzte er sich stark für seine Freunde TAKA Michinoku und Kikuchi ein, wieder bei New Japan zu arbeiten. Nachdem der gebürtige Niederländer Meij sein Amt als Präsident Ende des Jahres 2020 niedergelegt hatte, übernahm Takami Ohbari das Amt des Präsidenten, nachdem er zuvor schon den amerikanischen Sitz geleitet hatte.

Mit dem neuen Präsidenten und Freund Dick Togo als einflussreiche Personen konnten sowohl Michinoku als auch Kikuchi wieder bei New Japan landen. Während Michinoku als Teilzeitwrestler aktiv ist, bekam Kikuchi die Rollen von Hattori, während Togo mehr Einfluss über das Booking erhielt. In weiteren Nachrichten bezeichnete Ibushi seinen „Widersacher“ als Booker von New Japan. Dies sorgte für einen Aufschrei, da viele Experten und Fans davon ausgegangen sind, dass Gedo der Head-Booker ist. Im Nachhinein revidierte Ibushi sich und auch Dave Meltzer machte deutlich, dass Gedo weiterhin das Sagen hat. Jedoch ist Kikuchi im engen Kreis von Gedo und agiert als „Match Maker“ bzw. arbeitet er die Details von Gedos Bookingplänen aus. Auch die Quelle von VOW bestätigt dies indirekt, da er seine Anweisungen nur von Dick Togo erhält, der sich wiederum an Gedo wenden muss.

Mit seiner neuen Rolle erarbeitete sich Kikuchi einen speziellen Ruf unter den Wrestlern. So bezeichnet die VOW-Quelle ihn als „ausbeuterisch, ungerecht und sehr altmodisch“. Der Bezug für altmodisch ist auf das alte Denken von Kikuchi zurückzuführen. So setzte er sich vehement dafür ein, dass Kayfabe auch im aktuellen Zeitalter beibehalten wird. So dürfen enge Freunde abseits des Ringes nicht zusammen abgelichtet werden, wenn man in unterschiedlichen Gruppierungen ist und auch dürfen Faces und Heels nicht zusammen gesehen werden. Zudem sollten jüngere Wrestler ihre Beziehungen geheim halten, um weiterhin dafür zu sorgen, dass junge Frauen durch die Attraktivität der Wrestler angelockt werden. Allerdings habe Kikuchi seine eigenen Regeln nicht konsequent ausgeführt, sondern handelte selektiv und ungerecht.

* Im Juli 2021 absolvierte New Japan das Event „WRESTLE GRAND SLAM in TOKYO DOME“ und es war ein IWGP World Heavyweight Championship Match zwischen Shingo Takagi und Kota Ibushi geplant. Ibushi erkrankte aber an einer Aspirationspneumonie und teilte der Promotion mit, dass er das Match dennoch durchziehen möchte. Kikuchi war dagegen und strich Ibushi vom Match, der durch Hiroshi Tanahashi ersetzt worden ist. Für Ibushi war dies wieder ein Fall der selektiven und unfairen Handlung von Kikuchi, besonders mit dem Blick auf Katsuyori Shibata. Der Head Coach des NJPW LA Dojos, der wegen einer schweren Kopfverletzung keine Freigabe von Ärzten erhält, kehrte für ein Match bei „Wrestle Kingdom“ in diesem Jahr in den Ring zurück.

* Kurze Zeit später fand das „G1 Climax“ statt und Ibushi wurde als Teilnehmer bestätigt. Jedoch soll Ibushi seinem Nemesis Kikuchi mitgeteilt haben, dass er noch nicht fit ist und nicht auftreten möchte. Kikuchi sagte, dass das Office schon die Pläne für das Turnier finalisiert hat und es war geplant, dass Ibushi im Finale gegen Kazuchika Okada verlieren solle. Ibushi war erneut von der unfairen Behandlung von Kikuchi nicht erfreut, jedoch zog er das Turnier durch. Jedoch war Ibushi von der In-Ring Qualität nicht auf der bekannten Höhe. Im Finale zog sich Ibushi dann eine Schulterverletzung zu, nachdem er bei einem Phoenix Splash auf der Schulter gelandet ist. Das Match wurde gestoppt und dies war sein vorerst letztes Match. Schon im Vorfeld hatte Ibushi mit dem Move Probleme. Bei den Übungen vor dem Match hatte er das Gefühl, dass sein schwankendes Körpergewicht, die notwendige Sicherheit bei der Ausführung behindern könnte. Auf eine Operation verzichtete Ibushi, da er bereits in der Vergangenheit an der gleichen Schulter operiert wurde, obwohl ihm die Ärzte von New Japan dazu geraten haben.

* Kurz nach seiner Verletzung hat Ibushi von Kikuchi die Nachricht erhalten, dass er für das „Wrestle Kingdom“ Event geplant ist. Ibushi, der bei Weitem noch nicht eine vollständige Genesung erreicht hat, empfand die Nachricht als frech und respektlos. Er teilte ihm mit, dass er erst in den Ring zurückkehren wird, sobald seine Schulter wieder geheilt ist. Mitte des Monats Dezember wurde Gedo bewusst, dass die bereits beendeten Pläne für Ibushi hinfällig sind und das ausgefertigte Angle wurde fallen gelassen.

* Der Höhepunkt wurde im März erreicht. Ibushi teilte dem Office mit, dass er sich bereit fühle, den „NEW JAPAN CUP“ zu worken. Daraufhin arbeitete Gedo die Pläne aus und so war der ehemalige IWGP World Heavyweight Champion als Sieger vorgesehen. Jedoch schritt Kikuchi ein, der auf Anraten eines Arztes, Ibushi die Teilnahme verweigerte. Laut den Quellen von Meltzer und VOW sah der Arzt dies als geringe Besorgnis an. Dennoch wurde Ibushi vom Turnier genommen und Pläne mussten komplett überarbeitet werden. Somit war der Erfolg von Zack Sabre Jr. eine Reaktion auf den Ausfall von Ibushi. Ibushi war erbost aufgrund des Verhaltens von Kikuchi und beendete daraufhin sämtliche Kommunikation mit den Offiziellen von New Japan.

* Am 04. März wurde Ibushi von TAKA Michinoku zu einem Event seiner Promotion Just Tap Out (JTO) eingeladen. Bei dem Event entschloss sich Ibushi spontan, dass er bei einem Match als Sekundant aktiv wird. Kurze Zeit später erhielt Ibushi von Kikuchi weitere Nachrichten, dass das Office nicht begeistert ist, dass er ohne Einwilligung bei einer Promotion aufgetreten ist. Kikuchi drohte ihm mit der Kündigung des Vertrages und setzte ihm ein Ultimatum. Sollte Ibushi nicht bis zum 12. Juni, dem Austragungsdatum von „DOMINION“, wieder aktiv sein, dann werde er den Vertrag kündigen. Ibushi erwiderte, dass Kikuchi ein weiteres Mal unfair agierte, denn Ibushi wrestlete nicht, sondern war nur am Ringrand als Unterstützung aktiv. Zudem dürften andere NJPW-Wrestler auch bei Indy-Promotions auftreten und sogar aktiv im Ring sein.

In der Zwischenzeit versuchte Gedo sein Bestes, um die beiden Seiten wieder zu beruhigen und auf einen Nenner zu bringen. Jedoch war der Zeitpunkt schon zu spät und Ibushi war fest entschlossen, dass er nicht mehr willkommen ist und provozierte seine Entlassung.

* Im Mai kam es dann zur großen Eskalation zwischen den beiden Parteien. Am 08. Mai feierte Japan, anders als in Deutschland, den Muttertag. Ibushi unterhielt sich mit seiner Mutter, die erkannte, dass ihr Sohn Probleme hatte. Ibushi sprach mit ihr über die Situation und sagte auch, dass seine Nachricht für ein Gespräch mit Kikuchi und NJPW-Präsident Ohbari unbeantwortet blieb. Ibushi’s Mutter, die ihren Sohn sehr unterstützte, unternahm am Folgetag einen Selbstmordversuch. Die Sorgen um ihren Sohn bewegten sie zu dem dramatischen Schritt, der glücklicherweise nur mit einem Knochenbruch endete. Ein besorgter und wütender Ibushi entschied am 10. Mai, die Nachrichten auf seinem Twitter-Account zu veröffentlichen und beschuldigte Kikuchi und Ohbari, für den Selbstmordversuch verantwortlich zu sein.

* In der Zeit danach veröffentlichte Ibushi immer mehr private Nachrichten und unterhielt sich auch mit Fans. Dabei wurde er recht deutlich, dass er nicht mehr bei New Japan sein will und die Company nutzt ihre Macht gegen Wrestler, die nicht aus dem hauseigenen System kommen. Obwohl Ibushi keine Nachrichten mit Ohbari veröffentlichte, wurde der Präsident ebenfalls zur Zielscheibe. Ibushi behauptet, dass Ohbari den Machtmissbrauch von Kikuchi unterstütze und feige sei. In den Unterhaltungen mit den Fans verglich Ibushi die Handlungen der Promotion mit den Handlungen der Yakuza. Dieser Vergleich sorgte erneut für einen Aufschrei. Die Yakuza ist die japanische Mafia und steht für das organisierte Verbrechen. Zudem ist die Yakuza so groß, dass sie sich in den Bereichen der Medien, Politik und Judikative befinden. Auch im Bereich des Pro-Wrestlings ist die Yakuza weit vertreten, so ist bekannt, dass Tomoaki Honma, Masahiro Chono und The Bodyguard Mitglieder in den Banden der Yakuza waren/sind. Ebenfalls sollen viele weitere Wrestler im Kontakt mit der Yakuza sein. Zudem sorgte die Yakuza mit ihren Verbindungen für einen landesweiten Skandal.

Im Jahr 2012 veröffentliche Pro Wrestling NOAH (NOAH), dass man von 2003 bis 2010 Kontakte pflegte. Der damalige Präsident Ryu Nakata und dessen Berater handelten mit der Yakuza, die den Ticketverkauf regelte. Der TV-Sender von NOAH bekam Wind von den Beziehungen und beendete den Vertrag mit NOAH. Aufgrund dessen hatte die Promotion sich dann entschieden, die Verbindung zu kappen. Auch All Japan Pro Wrestling (AJPW) agierte mit der Yakuza zusammen und verlor sehr viel Geld, um Schulden zu tilgen. Zudem sorgten die Beziehungen der Yakuza mit dem Mutterkonzern der MMA-Promotion PRIDE für dessen Niedergang. Bereits damals schrieb Dave Meltzer im Wrestling Observer Newsletter, dass fast jede Organisation im Sports- und Entertainmentsektor mit der Yakuza agierte. Dies war auch allen Japanern bewusst, doch niemand vermag ein Wort darüber zu verlieren.

* Während das Ultimatum immer näher rückte, gab es keine öffentliche Stellungnahme von New Japan Pro Wrestling zu den Nachrichten Ibushis. Am 27. Mai wurde dann eine Pressekonferenz abgehalten, wo sich die Promotion zu den Behauptungen des Wrestlers äußerte.

Reaktionen

Natürlich sorgten die Nachrichten von Ibushi für eine gewaltige Reaktion im Netz. Einige Wrestler machten mit versteckten Botschaften deutlich, dass sie ihren Freund unterstützen. Andere Wrestler machten, ohne Ibushi’s Namen zu nennen, sehr deutlich, dass man ein falsches Verhalten zeigt, die internen Probleme öffentlich zu machen. Generell soll Kikuchi bei einigen Wrestler-Kollegen in Ungnade gefallen sein, da sein Verhalten nicht gerecht sei. Trotzdem hatte Kikuchi mit der alten NOAH-Garde rund um KENTA, Taiji Ishimori und Yoshinobu Kanemaru, sowie TAKA Michinoku und Taichi weitere Verbündete. Gerade die Personen Taichi und Michinoku, die beide Affären in ihren Ehen hatten, lagen mit Ibushi im Clinch. So soll er jüngere Wrestler vor dem Trio (TAKA, Taichi und Kikuchi) gewarnt haben und bezeichnete das Trio als „Cheater-gun“, da das Dreigestirn gerne sich am Geld und an den Frauen vergreifen würde.

Auch Ibushi’s enge Freunde Kenny Omega und Michael Nakazawa meldeten sich indirekt. Omega twitterte einen Satz auf Japanisch, dass die „Flamme der Auferstehung“ bald wieder hell brennen wird. Nakazawa, der sich zurzeit in seiner Heimat befindet, um sein Visum zu verlängern, wendete sich an die Sorgen der Fans. So schrieb Nakazawa, dass es dem Freund (Ibushi) gut gehe und er weitere Freunde an seiner Seite hat. Ein weiterer Freund von Ibushi soll den Quellen verraten haben, dass Ibushi nur auf die Entlassung warte. Ibushi selbst ist sich seines Verhaltens bewusst und soll seinem engsten Kreis mitgeteilt haben, dass er viele Fans mit seiner Reaktion hintergangen haben soll und die Mentalität der Japaner, Negatives schlechtzureden, bringe ihn zu den Gedanken eines Rücktritts. Backstage wird kritisiert, dass Kikuchi und weitere Offizielle die Wrestler als „Stück Fleisch“ ansehen, die ihr Leben riskieren, um finanziellen Erfolg für die Promotion zu erzielen. Dennoch wird Ibushi’s Verhalten mit dem Schritt in die Öffentlichkeit kritisch angesehen.

Konsequenzen

Am 27. Mai veröffentlichte NJPW ein Video der Pressekonferenz über die Behauptungen von Ibushi. Dabei meldeten sich NJPW-Präsident Ohbari und der Präsident von New Japan’s Mutterkonzern Bushiroad, Takaaki Kidani zu Wort. Mit der Ankündigung von Kidani wurde deutlich erkennbar, dass sich New Japan eindeutig positioniert. Kidani war selbst bei der Pressekonferenz für die gemeinsam-veranstaltete Show von New Japan und NOAH nicht vor Ort.

Die beiden Offiziellen erklärten, dass man sich beim Personal und den Fans für die Sorgen entschuldigt. So habe Ibushi mit seinem Auftreten bei der JTO-Show einen Vertragsbruch getätigt, da er als Exklusivwrestler die Promotion vorweg informieren muss, wenn er Auftritte bei anderen Events absolviert. Im Austausch mit Kikuchi, dessen Name nicht genannt wurde, habe er die Handlung von Ibushi als bewussten Vertragsbruch erkannt und Ibushi’s Antworten waren das Ergebnis eines emotionalen Ausbruches.

Ohbari suchte den Austausch mit Kikuchi, weshalb Ibushi bei JTO aufgetreten ist und die Aufarbeitung von Ohbari war für beide Parteien wichtig. Nachdem er sich mit Kikuchi ausgetauscht hatte, besuchte Ohbari am 31. März Ibushi bei dessen Trainingshalle. In der Unterhaltung erkannte Ohbari, dass Ibushi’s Erholung langsamer verläuft und Ibushi keine ideale Mobilität besitzt. In einem gemeinsamen Essen erklärte Ibushi, wie er zum Auftritt bei JTO gekommen ist. Bereits dort habe er eine deutliche Ermahnung erhalten und Ibushi soll sich für seinen Fehltritt entschuldigt haben. Ohbari erklärte, dass er keine Kenntnis über den genauen Austausch zwischen Ibushi und Kikuchi hatte und er keine Entschuldigung ihm mitteilen konnte.

Nach der Veröffentlichung der Nachrichten wurde ein Meeting mit dem Rechtsstab am 10. Mai angeordnet und nach einer weiteren Unterhaltung mit Ibushi wurde der Schritt an die Öffentlichkeit gewählt. Man möchte sich bei ihm für das Fehlverhalten Kikuchis entschuldigen, der unentschuldbare Aussagen tätigte. Auch Bushiroad-Präsident Kidani entschuldigte sich bei Ibushi und man gewährt ihm die Zeit, sich um seine Mutter zu kümmern und seine Schulter zu heilen. Ein Comeback soll erst bei einer vollständigen Heilung erfolgen. Zudem machte Kidani auch deutlich, dass Ibushi bis dahin unter Vertrag bleiben wird. Ebenfalls ermöglicht er Ibushi, an Talkshows und Autogrammstunden aufzutreten oder auch bei Bushiroads zweiter Wrestling-Promotion STARDOM auszuhelfen. Auch möchte man seinen Rat hören, um das Verhalten der Promotion zu verbessern.

Zusammenfassend erklärte die Promotion, dass Ibushi der Liga treu bleiben wird. Seine Strafe für den Vertragsbruch wird wohl auf eine Geldstrafe hinauslaufen. Für Kikuchi werde man auch eine geeignete Strafe finden. Während Ohbari keine genauen Informationen mitteilte, wurde Kidani sehr deutlich. So darf Kikuchi einen neuen Arbeitsplatz bei New Japan einnehmen, wo dessen Einfluss geringer sein wird. Manche Fans spekulieren sogar, dass Kikuchi gefeuert wurde.

Jedoch war die Pressekonferenz nicht das endgültige Ende der Vorwürfe von Ibushi. So schrieb er auf Twitter, dass man einige Aussagen über den Selbstmordversuch seiner Mutter geheim gehalten hat und in einem Update wurden weitere Informationen hinzugefügt. Auch dies genügte Ibushi nicht und er schrieb erneut auf Twitter, dass mit der PK bei Weitem nicht alle Fragen beantwortet sind. Wenn man seine Probleme nur intern klärt, dann wird man eines Tages enden. Ebenfalls wurden einige Unwahrheiten behauptet und Ibushi habe weiterhin das Gefühl, dass eine Vielzahl der Offiziellen ihn loswerden will. Dann solle man ihn einfach kündigen. Der große Wunsch von Ibushi ist es, dass sich die Promotion bei seiner Mutter entschuldigt.

Kommentar

Die gesamte Situation zu überblicken, ist sehr komplex. Hier kommen viele verschiedene Faktoren ins Spiel. Einerseits der jahrelange Disput zwischen Kikuchi und Ibushi, sowie der eindeutige Missbrauch von Kikuchis Macht und die fehlende Wertschätzung gegenüber Wrestlern. Eine verletzte Person voreilig wiederzuholen ist vollkommen falsch und sorgte nur dafür, dass es zur Eskalation gekommen ist. Ibushi ist eine Person im Wrestling, der gerne außerhalb des üblichen Rahmens denkt. Beispielweise zeigte er einen Moonsault gegen Kenny Omega von einer Erhöhung des Nippon Budokan und wurde von den Veranstaltern der Halle für einige Zeit gesperrt, da er im Vorfeld hingewiesen worden ist, dies zu unterlassen. Auch auf den Rat von Puroresu-Legende Kenta Kobashi hörte er nicht. Bei seiner Tour in England sorgte Ibushi für erneutes Staunen, da er sich selbst mit Feuerwerkskörpern beschoss und auch einige Knaller in Richtung der Fans gingen, bevor er gegen Jimmy Havoc von dessen Auto aus, einen Moonsault zeigte.

Obwohl New Japan sich nun öffentlich zu Ibushi äußerte, gibt es berechtigterweise Kritik. Man erwähnte nicht die Situation rund um den New Japan Cup und viele Aussagen von Ohbari und Kidani lassen hindeuten, dass man Kikuchi als Sündenbock hinstellt. Dennoch haben auch die falschen Reaktionen der Offiziellen dafür gesorgt, dass die Situation eskaliert ist.

Für alle Parteien kann man nur den Rat geben, sich in der Zukunft erneut in Ruhe zusammenzusetzen, wenn die Situation es zulässt. Ibushi’s Sorgen um seine Mutter und Schulter sowie das fehlende Vertrauen in die Offiziellen der Liga lassen derzeit eine gemeinsame Aufklärung nicht zu. Falls beide Parteien nach einer Aufarbeitung eine Zusammenarbeit möchten, dann solle man diesen Schritt gehen. Kann man sich weiterhin nicht einigen, dann muss man den endgültigen Schritt der Trennung gehen.




4 Antworten auf „Causa Kota Ibushi: NJPW-Topstar geht öffentlich gegen seinen Arbeitgeber New Japan Pro Wrestling vor! Hintergründe, zeitlicher Ablauf und Konsequenzen“

Worthless sagt:

Danke für die detaillierte Zusammenfassung. Hätte ich nicht erwartet, dass das solche Ausmaße nimmt.

Rasgarius sagt:

Danke an der/die Verfasser für die gute Zusammenfassung. Schon krass wie sehr das alles zurückgeht und wie viele Dinge dort passiert sind.

Hoffentlich wird man sich einig.

Dirty Harry sagt:

Hmmm, irgendwie fehlt mir da der Kontext zum Selbstmordversuch der Mutter. Warum? Weil sie von ihrem Sohn enttäuscht war, weil dieser Kündigen wollte? Oder war sie enttäuscht, das ihr niemand von NJPW zuhören wollte?

TripleH72 sagt:

Ich habe mich immer gewundert warum Kota Ibushi so lange NJPW treu geblieben ist.Gut Heimatliebe und Verbundenheit sind das eine, jedoch war ich damals schon sehr verwundert das die WWE nicht an ihm dran geblieben ist nach dem ersten Cruiserweight Tunier 2016 wo er mich absolut überzeugt hat.

Ich glaube Ibushi könnte auch mit seinen 40 Lenzen noch ein paar gute Jahre in anderen Ligen haben und mit Yakuza Leuten sollte man sich nicht anlegen, denn sonst könnte es sein das man ganz schnell für immer verschwunden ist, sollte an den ganzen Gerüchten und Tweets was dran sein.

Bei AEW würde er auch gut reinpassen, jedoch sehe ich ihn eher in der WWE und da hier im Moment gerade bei den Männern eher Flaute ist, was japanische Top Stars angeht würde er der Promotion ganz gut tun.Bei NXT könnte er mit seiner ganzen Erfahrung die Jungstars aufbauen. Fünf gute wrestlerische Jahre hat er ganz bestimmt noch, jedoch merkt man schon deutlich, das er nicht mehr sein ganzes Potenzial wie in jüngeren Jahren abrufen kann. Das liegt sicherlich auch an den diversen Verletzungen die er schon hinter sich hat.

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